Strompreise in Deutschland: Zusammensetzung und Entwicklung in 2017

Im kommenden Jahr 2017 werden die Stromkosten für viele Immobilien steigen. Woran liegt das?

Der Strompreis setzt sich aus drei wesentlichen Kostenbestandteilen zusammen:

1. Kosten für Energiebeschaffung, -vertrieb und -abrechnung (reine Energiekosten)

2. Kosten für die infrastrukturelle Bereitstellung der Strommengen (Netzentgelte)

3. Kosten für Abgaben, Umlagen und Steuern (Stromnebenkosten)

Die Kosten für Energiebeschaffung, -vertrieb und -abrechnung sind einerseits abhängig von der Preisentwicklung an der Energiebörse EEX in Leipzig und andererseits von den internen Prozesskosten der einzelnen Energielieferanten. Insbesondere die Energiebeschaffungskosten, welche sich an den Börsenpreisen der EEX orientieren, unterliegen starken Schwankungen. Die Kosten für Energievertrieb und -abrechnung sind in den letzten Jahren gesunken, was auf den zunehmenden Wettbewerb zwischen den Energieversorgern einerseits und auf die (durch Digitalisierung) immer effizienteren Kommunikations- und Abrechnungsprozesse andererseits zurückzuführen ist.

Die Netzentgelte und viele Positionen der Stromnebenkosten werden jedes Jahr aufs Neue angepasst. Dies hat in den letzten Jahren maßgeblich zum Anstieg der Strompreise in Deutschland beigetragen. Im Folgenden finden Sie eine Kurzbeschreibung der einzelnen Kostenbestandteile, ihre Veränderungen in der Vergangenheit und eine Kostenprognose für das kommende Jahr 2017.

Netzentgelte

Für den Transport des Stroms vom Kraftwerk zum Endverbraucher werden sogenannte Übertragungs- und Verteilnetze genutzt. Die Netzbetreiber erheben für die Durchleitung der Strommengen eine Gebühr gegenüber den Stromverbrauchern. Seit 2012 steigen die Netzentgelte kontinuierlich durchschnittlich um über 3% pro Jahr, was auf die steigenden Investitionen in den Netzausbau aufgrund der Energiewende zurückzuführen ist. Für das Jahr 2017 wird ebenfalls eine durchschnittliche Steigerung der Netzentgelte von mindestens 3% erwartet. In einzelnen Netzgebieten kann die Erhöhung deutlich darüber liegen.

Stromnebenkosten

Die Konzessionsabgabe ist eine Gebühr für die Nutzung der öffentlichen Wege, die von den Netzbetreibern an die Kommunen entrichtet wird. Die Höhe richtet sich nach dem Wegenutzungsvertrag zwischen Gemeinde und Netzbetreiber, die Höchstgrenze ist jedoch in der Konzessionsabgabenverordnung (KAV) mit 2,39 ct/kWh festgeschrieben. Sie wird zusammen mit den Netzentgelten von den Netzbetreibern erhoben und dann an die Gemeinden abgeführt.

Die EEG-Umlage wird vom Staat erhoben und subventioniert den Ausbau der erneuerbaren Energien in Deutschland. Durch den fallenden Strompreis an der Energiebörse EEX, den stetigen Zubau von neuen regenerativen Stromerzeugungsanlagen und der dadurch ansteigenden Subventionierungsquote steigt auch die EEG-Umlage kontinuierlich an. Im Jahre 2017 beträgt der Anstieg mehr als 8% auf 6,88 ct/kWh. In Bezug auf das Jahr 2013 hat sich die Umlage um 30% erhöht.

Mit Hilfe des Kraft-Wärme-Kopplungs-Aufschlags (KWK) wird KWK-Anlagenbetreibern vom Staat eine Subventionierung aufgrund des höheren Wirkungsgrades dieser Anlagen gegenüber herkömmlichen Kraftwerken gewährt. Seit 2012 ist die Umlage von Null ct/kWh auf über 0,445 ct/kWh angestiegen. Aufgrund der zum aktuellen Stand noch nicht verabschiedeten Novelle des KWK-Gesetzes müssen hier zwei Werte für das Jahr 2017 angegeben werden (0,438 ct/kWh oder 0,463 ct/kWh).

Energieintensive Letztverbraucher (bspw. Industrieunternehmen) können unter bestimmten Voraussetzungen nach § 19 Abs.2 StromNEV individuelle Netzentgelte bei der Bundesnetzagentur beantragen. Daraus resultieren jedoch entgangene Einnahmen für die Netzbetreiber, die wiederum diese entgangenen Einnahmen auf die Letztverbraucher umlegen. Die Umlage nach § 19 Abs.2 StromNEV erhöht sich um rund 3% auf 0,388 ct/kWh im Jahr 2017 und resultiert aus der gestiegenen Anzahl an Letztverbrauchern, die diese individuellen Netzentgelte beantragt haben.

Mit Hilfe der Offshore-Umlage nach § 17f EnWG sollen sichere Bedingungen beim Ausbau der Offshore-Windenergie geschaffen werden. Diese Umlage wird durch die Übertragungsnetzbetreiber ermittelt. Grundlage dieser Umlage ist die Deckung von Entschädigungszahlungen, die durch den verspäteten Anschluss von Windenergieanlagen an das Übertragungsnetz entstanden sind. Dadurch, dass immer mehr relevante Anbindungsleitungen fertiggestellt und die anfallenden Entschädigungszahlungen somit stark rückläufig sind, sinkt die Umlage von 0,04 ct/kWh um mehr als 142% auf -0,028 ct/kWh im Jahr 2017.

Die Umlage für abschaltbare Lasten (§ 18 AbLaV) dient zur Aufrechterhaltung der Netzstabilität und Systemsicherheit und wird von den Übertragungsnetzbetreibern festgelegt. Diese Umlage wurde im Jahr 2016 nicht erhoben, da zum Zeitpunkt der Umlagen-Veröffentlichung im Oktober 2015 keine gültige Verordnung vorlag. Im Jahr 2017 wird die Umlage wieder auf den Wert von 2015 mit 0,006 ct/kWh festgeschrieben, da die Volatilität der Einspeisung von erneuerbaren Energien noch immer vorhanden ist.

Als Steuern sind die Stromsteuer und die Mehrwertsteuer mit 19% aufzuführen. Die Stromsteuer wird seit ihrer Einführung 1999 auf die reinen Energiekosten aufsummiert und finanziert klimapolitischen Ziele sowie die  Absenkung und Stabilisierung des Rentenbeitragssatzes. Sie wird vom Staat erhoben und ist in Höhe von 2,05 ct/kWh langfristig gesetzlich festgeschrieben.

Angewendet auf einen konkreten Fall (zum Beispiel eine Immobilie in Hamburg mit einem Stromverbrauch von 500.000 kWh/a in Niederspannung) ergibt sich für 2017 eine Erhöhung der Netzentgelte und Stromnebenkosten in Höhe von rund € 4.580 p.a. (um 5,5 %).

Im Rahmen eines aktiven Kundenmanagements unterstützt Argentus seine Kunden bei der kurz-, mittel- und langfristigen Budgetplanung für die Betriebskosten der jeweiligen Immobilienportfolios. Unser Ziel ist es unsere Kunden zu entlasten und Planbarkeit durch Transparenz zu schaffen.

Stephan Pletz, 16.12.2016