Wissenswertes

Die nächste Phase der Nachhaltigkeitsbewegung

28.05.2020
Sandra Zengerling
Sandra Zengerling s.zengerling@argentus-re.com
Nachhaltigkeit und Klimawandel sind wahrlich keine neuen Themen. Auch die Immobilienwirtschaft kennt sie sehr genau. Vor rund zehn Jahren mündeten sie schon einmal in viel Bewegung: Die Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen (DGNB) hatte ihre ersten Zertifikate für Büro- und Verwaltungsgebäude ausgestellt. Der Markt diskutierte damals sehr intensiv, ob nachhaltige Gebäude einen Preisvorteil erzielen - oder umgekehrt, ob konventionelle Immobilien mit einem Abschlag gestraft werden. Nicht nur Verkäufer und Käufer, auch die ersten Gewerbemieter haben damals schon bei der Entscheidung für ein Objekt darauf geachtet, wie es bei ihren künftigen Räumlichkeiten um Nachhaltigkeit steht. Für Wohnungen war seit Kurzem außerdem der Energieausweis Pflicht. Schon damals kam am Thema Nachhaltigkeit niemand vorbei. Dann kamen die Jahre nach der Finanzkrise. Zwar blieben viele Eigentümer und Asset-Manager bei Umweltthemen weiter "am Ball", bedingt durch die unsichere wirtschaftliche Lage geriet das Thema Nachhaltigkeit aber etwas in den Hintergrund. Das Wissen und die Perspektive des Markts waren da noch anders als heutzutage. Denn inzwischen steht der Punkt Nachhaltigkeit wieder weit oben auf der Prioritätenliste der Investoren. Der größte und wichtigste Unterschied zu damals aber ist, dass die Themen Nachhaltigkeit und Klimawandel stärker aus der Wissenschaft, Politik und aus anderen Industriezweigen in die Immobilienwirtschaft hineingetragen wurden. In der aktuellen zweiten Nachhaltigkeitsphase kommen die Themen "von unten", aus der Bevölkerung selbst, wie die "Friday's for Future"-Bewegung zeigt. Die gesellschaftliche Basis der Klimabewegung ist also wesentlich breiter und das Verantwortungsbewusstsein der Immobilienbranche wesentlich größer. Ob Immobilienentwickler, Architekt oder Facility-Manager - derzeit diskutiert man mit seinen Kindern schon beim Frühstück über den Klimawandel. Und sind wir mal ehrlich: Das ist gut so. Eine Sicherheit, dass das Engagement der Branche bei einem neuerlichen ökonomischen Einbruch nicht wieder nachlässt, gibt es natürlich nicht. Aber ich glaube, dass wir einen gesellschaftlichen Konsens erreicht haben. Es ist doch so: Wenn man einen 8.000 Meter hohen Berg schon zur Hälfte bestiegen hat, merkt man oft nicht mehr, wie viel man schon geleistet hat. Man nimmt nur wahr, dass die zweite Hälfte des Wegs noch einmal härter wird als die erste. Das ändert aber nichts am Erreichten - oder daran, dass wir diesen Weg weitergehen sollten. Schon viel erreicht: 117 Millionen Tonnen Kohlendioxidausstoß gehen deutschlandweit jährlich allein auf das Konto von Gebäudeheizungen. Emissionen aus Stromverbrauch oder dem Hausbau sind noch nicht eingerechnet. Gemäß Klimapaket soll diese Zahl bis 2030 auf 72 Millionen Tonnen pro Jahr fallen. Bis 2050, so das Ziel der Bundesregierung, soll der Gebäudebestand klimaneutral sein. Klimaschutz wird immer stärker auch in der Immobilienbranche forciert
1972: Der erste Bericht des Club of Rome warnt erstmals vor den "Grenzen des Wachstums".
1979: Die erste Weltklimakonferenz findet in Genf statt.
1990: FCKW-Treibhausgase werden verboten.
1997: Das Kyoto-Protokoll verabschiedet das erste - und bis heute einzige - rechtlich bindende Abkommen über Emissionsbegrenzungen.
2005: Der CO2-Emissionshandel wird in der Europäischen Union eingeführt.
2007: Die Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen (DGNB) baut ein Zertifizierungssystem für nachhaltige Bauten auf.
2008: Der Energieausweis für Immobilien wird Pflicht.
2019: Die UN-Klimakonferenz in Madrid scheitert. Deutschland verfehlt laut Klimaschutzbericht seine Klimaziele für das Jahr 2020 deutlich.
2021: Die Bundesregierung will eine CO2-Bepreisung für die Bereiche Wärme und Verkehr einführen. Über einen nationalen CO2-Emissionshandel bekommt der Ausstoß von Treibhausgasen beim Heizen einen Preis.
2020+: Das geplante Gebäudeenergiegesetz schafft einheitliche energetische Anforderungen im Hinblick auf Neubauten, Bestandsgebäude und den Einsatz erneuerbarer Energien zur Wärme- und Kälteversorgung.